Mickey Mouse Revival

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Rätsel um den Fall Mickey Mouse:
Gottfried Helnwein und andere provozieren zur Frage:

Was Hat uns Mickey Mouse eigentlich zu sagen?

Die kleine, liebenswürdige Maus in vermenschlichter Darstellung lebt nun schon fast 90 Jahre unter uns. 1928 erfunden und gestaltet von Walt Disney und Ub Iwerks (Comic Zeichner) schaffte es das Kerlchen zum Medienstar. Er war Leinwand Held in vielen Filmen, erhielt seine eigene Comic-Heft Reihe und ist seither nicht nur bei Kindern sondern auch in der Erwachsenenwelt eine rund um den Globus bekannte Figur.

Mickey vertritt den Geist der ausgleichenden Gerechtigkeit.

Auf kindgerechte Art versucht er das Verständnis für Fairness zu fördern. Mit dieser Vorbildfunktion hat er also durchaus seine Daseinsberechtigung.
In den letzten Jahrzehnten scheint seine Präsenz in den Hintergrund gerückt zu sein. Er ist nicht mehr en vogue neben all den vielen Neukreationen der Comic Welt, die ihm die Show gestohlen haben.

Nun ist interessant zu sehen, dass Mickey Mouse neuerdings in der etablierten Kunstwelt Einzug hält. Das heisst, seine Auferstehung feiert er nun bei den Erwachsenen, sozusagen in einer elitären Dunstwolke.

Da fragt man sich, was das zu bedeuten hat.Wie ist das zu verstehen, wenn Gegenwartskünstler Mickey in ihre Werke integrieren?

Welche Rolle wird dieser Maus zugeteilt?

Die Rückbesinnung auf Comicelemente und deren Darstellung scheint beliebt zu sein, denn sie findet gerade bei mehreren namhaften Künstlern statt.

Mickey von Damien Hirst
 http://www.damienhirst.com/mickey

Warum holen Künstler zu Beginn des 21. Jahrhunderts Motive aus der Trivial-und Populärkultur der 30-60er Jahre des 20. Jahrhunderts auf ihre Leinwand?
Warum gerade Mickey Mouse? Und nicht Shriek, Spidermann, Ariella oder sonst eine/r?

Mickey von Romero Britto http://www.britto.com/front/subspecialproject/117/1998

Kann das seriös sein?

Es gibt verschiedene Gründe:

  • Hommage an erfolgreiche Künstler aus jener Aera des American Dream
  • man nimmt Motive einer vergangenen Erfolgswelle wieder auf, in der Hoffnung, damit die eigene Vermarktung zu verbessern.
  • Darstellung von lustigen und hübschen Figuren, Farben und Formen, losgekoppelt von jeglicher Botschaft, was durchaus legitim wäre.
    Kunst muss meiner Meinung nach keine Botschaft beinhalten. Sie muss weder kritisch, sozial, politisch noch sonst was sein, aber sie darf fast alles, ausser zerstörerisch sein.

Nun erklärt aber keiner dieser Gründe, warum gerade Mickey Mouse zu diesen Ehren kommt.

Ich habe einmal geschrieben, dass Kunst einem helfen kann, die Zeit besser zu verstehen, in der sie entstanden ist.
Bei diesen Beispielen mit Mickey funktioniert das aber gar nicht, denn die hier erwähnten Künstler stellen nicht ihre Zeit dar, sondern eine Strömung/Zeit-Geist, die vor mehr als 50 Jahren aktuell war.

Mickey von Tom Boston
http://www.britto.com/front/subspecialproject/117/1998

Wollte man unsere Gegenwart, also den Zeitraum 1.Hälfte des 21. Jahrhunderts darstellen, wäre eines der dringlichsten Themen wohl die Technologie, denn diese, -insbesondere die Kommunikationstechnologie, hat einen riesigen Stellenwert. Wir sind abhängig von ihr, weil sie allgegenwärtig ist und weitgehend unseren Alltag bestimmt.. Trotzdem scheint die Darstellung dieser prägenden Techniken, die grossartige Errungenschaften sind, kein Thema in der Gegenwartskunst zu sein.
Gezwungener massen bedient man sich ihrer in Video –und Sound Installationen, ohne sie jedoch zum Thema zu machen. In der Malerei ist die Darstellung der Technologie kaum vorhanden, rep. ausgeklammert.

 

Mickey von Andy Warhol

 

Zurück zu Mickey: er ist doch definitiv kein Objekt, um unsere Zeit zu repräsentieren –oder verstehen ich da etwas nicht?

Wo liegt der Grund für seine neu gewonnene Aktualität?

Mickey von Johannes Cordes aus Gummibärchen

Mickey von Rolf Lukaschewski

 

 

 

Bei Helnwein findet sich tatsächlich ein Anlass, warum er auf die amerikanischen Comicfiguren zurückgreift:

Ich habe folgendes gefunden:

Zitat aus de.Wikipedia.org:
In den 1970er Jahren lehnte Helnwein die künstlerische Tradition der bürgerlichen Gesellschaft ab und glaubte an die primitive Kraft der Trivialkunst als kontraästhetisches Konzept.[14]
Helnwein beschreibt seine frühe Kindheit im Wien der Nachkriegszeit als trostlos und düster. Aufgehellt wurde sie an jenem Tag, an dem ihm sein Vater ein Bündel der ersten deutschen Micky-Maus-Hefte mitbrachte:[15] „Als ich das erste Heft öffnete, fühlte ich mich wie einer, der bei einem Grubenunglück verschüttet worden war und nun nach den Tagen der Finsternis wieder ans Tageslicht trat … Ich war wieder daheim in einer vernünftigen Welt, in der man von Straßenwalzen plattgewalzt und von 100 Kugeln durchlöchert werden konnte, ohne Schaden zu erleiden; ich war in einer Welt, in der die Menschen wieder anständig aussahen, mit gelben Schnäbeln und schwarzen Knäufen als Nase. Hier traf ich auf jenen Mann, der mein Leben verändern sollte, von dem der österreichische Poet H.C Artmann einmal gesagt hat, dass er der einzige Mensch ist, der uns heute noch etwas zu sagen habe : Donald Duck“[16]

2000 zeigte das San Francisco Museum of Modern Art das Helnwein-Gemälde einer monströsen, grinsenden Micky Maus (Mouse I) in der Ausstellung The Darker Side of Playland – Childhood Imagery from the Logan Collection.[18]

Alicia Miller schreibt in Artweek:

„Ein großer Teil der Arbeiten in dieser Ausstellung sind aus dem Stoff, aus dem kindliche Albträume sind. In solchen Träumen, lange vor dem Wissen der Erwachsenen um die spezifischen Schmerzen und Übel, die das Leben bereithält, werden die vertrauten und geliebten Objekte und Bilder der kindlichen Welt von etwas Unheimlichem zerstört. Für Kinder, die noch nicht verstehen, wovor man sich wirklich fürchten muss, vermitteln diese Träume eine Ahnung von den Schmerzen und Störung, die ihrer Welt drohen. Wahrscheinlich veranschaulicht dies nichts so sehr wie Gottfried Helnweins Mouse. Sein Porträt von Disney’s Lieblingsmaus nimmt eine ganze Wand des Museums ein. Aus einem schrägen Winkel dargestellt, sieht Mickey’s sonst so lebhaftes, unverdorbenes Gesicht irgendwie hinterhältig und suspekt aus. Sein breites Lächeln, das eine Reihe schimmernder Zähne miteinschließt, wirkt mehr wie ein Zähnefletschen oder anzügliches Grinsen. Dies ist Mickey als Mr. Hyde, der jetzt sein verborgenes anderes Ich in äußerst beunruhigender Weise enthüllt. Helnweins Mickey ist in verschiedenen Grauschattierungen gemalt, so als würden wir ihn in einem alten Schwarzweißfernseher betrachten. Wir werden an den flimmernden Rand unserer eigenen Kindheitserinnerungen zurückgeführt, in eine Zeit die in unserer Vorstellung noch unschuldig war, in der es noch keine Verbrechen und keine Schuld gab. Aber Mickeys bedrohliche Haltung lässt uns ahnen, was da kommen wird.[19]“

– Alicia Miller: The Darker Side of Playland. Artweek, California, 20. August 2000

Bild von Helnwein: Mädchen

bilder von Rolf Lukaschewski, Romero Britto, Tom Boston, Charles Fazzino, Johannes Cordes, Wolfgang Lösche, Damian Hirst

Ich wage die Schlussfolgerung, dass alle andern hier gezeigten Maler ihren Mickey Mouse gemalt haben, weil sie Helnwein’s Ideen kopierten.
Wir kennen das aus dem Showbusiness. Wenn eine bekannte, einflussreiche, bewunderte, stilgebende Persönlichkeit mit etwas auffällt, kann sie damit über Nacht einen Trend setzen und viele Nachahmer auf den Plan rufen.

Im Gegensatz zu Helnwein, wo das Zurückgreifen auf Comic Figuren einen autobiographischen, tiefen Sinn hat, haben alle anderen nur Spass-Bilder fabriziert: schöne Kompositionen in tollen Farben und lustigen Formen. Was ihren Wert als Kunst keinesfalls mindert.

http://www.galerie-wild.de/pics/ch-exhib-lukaschewski-14-140.jpg

ch-exhib-lukaschewski-14-140.jpg

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