Faszination Berg

Schwarzes Quadrat von Malewitsch Kasimir
Das schwarze Quadrat von 1915
11. April 2017
Cleopâtre, Ballets russes, Wolfgang Beltracchi, 2017
Ballets russes
18. Juni 2017

Ferdinand Hodler - Stockhornkette mit Thunersee

Der Berg, Symbol der Kraft

  • Ferdinand Hodler
  • Anselm Kiefer
  • Rudolf Stingel
  • Ernst Ludwig Kirchner

Ferdinand Hodler 

(Schweizer Maler des Symbolismus und Jugendstils, geb. 1853 -1918)

Hodler hat es verstanden, unsere Schweizer Berge auf eindrückliche, wunderbare Weise zu malen. Wenn der Berg sich in einem See spiegelt, wie so oft in seinen Bildern, tritt er besonders schön in Erscheinung und wir können uns an einer perfekten Kombination erfreuen.

Wir fühlen das Liebliche, Heroische, Ewige. Man ist berührt von der Weite und Erhabenheit. Prächtige Abend-oder Morgenstimmungen lassen uns schwelgen. Voller Andacht versinken wir in den Blautönen, dem zarten Rosa mit Schleiern von feinem Gelb. Weit und klar spannt sich der Himmel, so dass wir uns empor schwingen möchten. Wir fühlen uns eins mit einer harmonischen Natur, die sich dem Mensch wohlgesinnt zeigt.

Holder selbst zeigte sich fasziniert und überwältigt von der Alpenlandschaft.

Das Bild Stockhornkette mit Thunersee (gezeigt als Leitbild des Posts) hat Holder etwa 15 Mal hergestellt.
Eines der Bilder ist jüdisches Raubgut: interessanter Text zur Provenienz (Herkunft und Besitzerverlauf)
https://www.nzz.ch/article8O3UM-1.223993 

http://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2013/schweizer-kunst-swiss-art-zh1303/lot.34.html

https://www.kunstkopie.de/a/hodler-ferdinand/genferseemitmont-blanc.html

Zum Künstler Ferdinand Hodler:

Anselm Kiefer

Das hier gezeigte Bild Kiefer’s zeigt ein Stoppelfeld von abgemähten Kornhalmen, die sich entlang gerader, vom Traktor angelegter Linien, in der Ferne verlieren. Dahinter erhebt sich eine düstere Bergkette.

Anselm Kiefer (deutscher Maler/Bildhauer, geb 1945)

 

Er liefert uns das Kontrastprogramm zu Hodlers Bergen:

Der Berg, den wir bei ihm zu sehen bekommen, ist von grauen Nebeln und Unwetter-Wolken umhangen. Alles ist in grau, schwarz, weiss, ev. schwachen blau Tönen gehalten. Bedrohung liegt in der Luft. Bei Kiefer herrscht immer Endzeitstimmung. Der Himmel ist dunkel, der Berg ist abweisend. Auf keinen Fall möchte man sich real in diese Landschaft begeben. In keinem von Kiefers Bildern gibt es einen Ort, wo man sich aufhalten möchte. Überall herrscht Weltuntergangsstimmung. Die Einsamkeit ist erdrückend, und doch ist der Mensch indirekt allgegenwärtig:

Da finden sich Spuren von menschlichem Schaffen in der Landschaft. Diese sichtbaren, in allen Bildern von Anselm Kiefer vorkommenden Zeugnisse von vergangenem menschlichen Tun stimmen uns nachdenklich und traurig. Gleich wie Archäologen sehen wir uns konfrontiert mit einem Ort, wo mal Menschen eindeutig ihre Spuren hinterlassen haben, sei das vor langer Zeit oder erst gerade vor kurzem.

Das wirkt alles sehr verstörend. Nicht nur der Berg sondern die ganze Landschaft ist unnahbar, entrückt, bedrohlich, wie von einer anderen Welt, in welcher der Mensch längst Vergangenheit ist. Trotz der Dramatik des Themas ist kaum Dynamik im Bild. Es herrscht eine gewisse Starre, Totenstille. Man weiss nicht, ob es eine Winterlandschaft ist, oder ob sich Atomasche auf die Erde gelegt hat. Das Bild ist äthetisch sehr schön, aber beunruhigend.

zum Künstler  und Wikipedia: – Anselm Kiefer

So ist es auch mit anderen Bildern von Kiefer, wo man auf folgendes blickt:

  • Städtebilde im Dunst, so hoffnungslos ineinander geschachtelt, dass einem das Grauen befällt.
  • verlassene Fabrikhallen,
  • Eisenbahn-Geleise, die am Horizont im Nichts verschwinden,
  • verdorrte Sonnenblumen, die ihre schwarzen Köpfe hängen lassen,
  • dunkle, schmutzige Brandung, die dem Betrachter entgegen donnert,
  • Wagenspuren, die im Gras ins Nirgendwo führen,
  • Schiffe, die brennen,
  • zerfallene Bauwerke, deren Trümmer uns quasi vor die Füsse fallen.
  • Überall düstere Farben und beklemmende Stimmung.

Rudolf Stingel

(ital. Maler/Künstler, geb. 1956, Meran)

Bei Stingel sind die Berge erschreckend schön: düster, schwarz-weiss, kalt. Abweisend in ihrer Gestalt und anziehend in ihrer Aesthetik gleichzeitig. Sie zeigen ihre gefährliche Seite: Unnahbarkeit, Gnadenlosigkeit, Tod durch Absturz am Fels, Tod durch Kälte in Schnee und Eis, Vernichtung im Gletscherspalt. All dies kommt einem in den Sinn, wenn man diese Berge betrachtet. Trotzdem sind sie wunderschön. Die Natur wird sehr realistisch gezeigt. Man ist überzeugt, eine Fotographie vor sich zu haben und kann es kaum glauben, dass es ein Ölgemälde ist. Stingel malt diese realistischen Bilder zwar nach Fotovorlage, aber effektiv ist alles gemalt in feinen, kleinen Farbtupfern, sorgfältig gesetzt mit dem Pinsel.

http://www.artsobserver.com/2014/04/19/rudolf-stingel-mountainous-vision/

Ernst Ludwig Kirchner

(1880-1938)

Die expressionistisch gemalten Berge in Kirchner’s Gemälden betten sich trotz ihrer Farbigkeit wohltuend und unüberhöht in die übrige Buntheit der Gesamt-Komposition ein. Die der realen Welt nicht entsprechenden schreienden Farben nehmen den Bergen jede weitere Aussage, jedes Sinnbild.

Diese Berge wirken weder bedrohlich, noch anziehend/verlockend, noch sphärisch/erhaben. Ihre einzige Eigenschaft liegt in Farben und Formen. Mehr vermitteln sie nicht. In diesem Sinn sind sie nur Teil eines Ganzen, das als Form–Farb-Komposition zur Wahrnehmung gelangt.

Zu Ernst Ludwig Kirchner

 „Landschaft Sertigtal“

„Wildboden im Schnee“

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