Camera obscura

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Der Astronom, Jan Vermeer, 1669 gemeinfrei, de.wikipedia.org

Der Astronom, Jan Vermeer, 1669 gemeinfrei, de.wikipedia.org

Hat Jan Vermeer eine camera obscura verwendet?

Am Abend des 26. Oktober 2017 fand im „ZOTT Art Space“ in München eine Veranstaltung statt, bei der es um die Frage ging, ob der niederländische Barock Maler Jan Vermeer (1632-1675) ev. die Camera obsura als Hilfsmittel benutzt haben könnte, um in seinen Bildern diesen speziellen Touch von Weichheit, kombiniert mit den für ihn typischen speziellen Lichteffekten, erzielen zu können.

Anwesend war die Presse so wie ein Kreis von Intellektuellen aus Kunst, Geschichte und Philosophie. Hauptakteur war der Künstler Wolfgang Beltracchi, der im Rahmen des Grossprojektes des Kunstmäzens Christian Zott die Gelegenheit erhielt, dieser Frage mit Hilfe einer eigens dafür konstruierten und installierten Camera obscura im künstlerischen Experiment nachzugehen.

Dieses Experiment ist Teil des Gesamtkonzeptes mit dem Title „Kairos“ (der günstige, oder verpasste Moment). Ideell und finanziell getragen wird das Gesamtprojekt von Herrn Christian Zott, der sich für die künstlerische Umsetzung dieses gigantischen Unterfangens den Fotographen Mauro Fiorese (2016 verstorben) und den für alle Gemälde zuständigen Künstler Wolfgang Beltracchi, so wie weitere 12 studierte Mitarbeiter an Bord holte.

Link zum Kunstprojekt Kairos:

http://kairos-exhibition.art

Laut Kunsthistorischen und geschichtlichen Untersuchungen gibt es keinerlei Hinweise, dass Jan Vermeer eine camera obscura verwendet haben könnte.

Trotzdem scheint diese Hypothese/Theorie keine Utopie zu sein, denn einige Argumente sprechen durchaus dafür oder lassen die Idee zumindest als plausible erscheinen.

 

Eine Camera obscura ist ein einfaches Gerät, das nur eine Linse, die die Lichtstrahlen auf einen Punkt bündelt, und ein Sichtloch bei einer schwarzen Box benötigt.

Projektion der gestellten Szene auf Fläche in camera obscura

Argumente, die für die Verwendung der Camera obscura sprechen:

1

Wenn man eine reale räumliche Szene mit Hilfe der camera obscura auf eine Oberfläche projiziert, sehen wir die projizierte Szene mit weicher gezeichneten Konturen, als wenn wir sie direkt betrachten. Bei Jan Vermeer sehen wir auch weich gezeichnete, leicht verwischte Konturen. Manchmal erhalten wir sogar den Eindruck, es sei ein feiner Lichtschleier darüber gelegt.

2

Zu Vermeers Zeiten, also im Barock, begannen die exakten Wissenschaften aufzublühen.

Der Empirismus breitete sich in Europa aus:

Zitat US: https://www.srf.ch/kultur/barock-mon-amour/barocke-ideen-die-die-welt-veraenderten

„Grundidee: Wahre Erkenntnis beruht auf Sinneserfahrung, auf Beobachtung und Experiment. Es reicht nicht mehr, Vorgänge «rationalistisch» erklären zu wollen – also Erkenntnis aus dem Denken allein zu schöpfen. Die tauglichen Grundlagen, um die Welt zu verstehen, sind objektiv bestimmbare, wissenschaftlich abgestützte Fakten.“

 

Zitat aus : https://de.wikipedia.org/wiki/Barock

 

„Durch königlichen Erlass oder unter fürstlicher Protektion und mit Unterstützung anderer Mäzene wurden Akademien der Wissenschaften und Technik gegründet, so 1660 die britische Royal Society oder 1666 die französische Académie des sciences. Diese Akademien waren oft mit natur- und technikgeschichtlichen Sammlungen verbunden.“

3

zur selben Zeit wie Vermeer lebte in Amsterdam der portugiesisch stämmige Philosoph Baruch de Spinoza (1632-1677).

Dieser betrieb erfolgreich die Herstellung von Mikroskopen und Ferngläsern, um sich neben der philosophischen Tätigkeit den Lebensunterhalt zu sichern.

Zudem war auch Anthony van Leeuwenhoek, der Wissenschaftler, der vermutlich auf Vermeer’s Bilder-Paar (siehe unten) zu sehen ist, ein bekannter Designer, Schleifer und Benützer von Linsen.

Diese überall florierende Beschäftigung mit den exakten Wissenschaften dürfte wohl auch Vermeer nicht entgangen sein.

 

Von Vermeer kennen wir 2 Oel-Gemälde, ein sogenanntes „Bild Paar“, in denen er diese aufblühende Wissenschaften darstellt:

Der Astronom, 1668

und

Der Geograph, 1668/1669

Der Astronom, Jan Vermeer, 1669 gemeinfrei, de.wikipedia.org
Der Astronom, Jan Vermeer, 1669 gemeinfrei, de.wikipedia.org
Der Geograph, 1669, Jan Vermeer gemeinfrei, de.wikipedia.org
Der Geograph, 1669, Jan Vermeer gemeinfrei, de.wikipedia.org

Interessanterweise gleichen sich die beiden Wissenschaftler in den Bildern so sehr, dass man meinen könnte, es handle sich um dieselbe Person.

Nachforschungen haben tatsächlich ergeben, dass die dargestellte Person wahrscheinlich der Naturwissenschaftler Anthony van Leeuwenhoek war, der nach Vermeers Tod dessen Nachlass regelte.

 

Die Astronomie und Geographie waren für die Niederländer als Seefahrer-Nation für Handel, Erkundungen und Eroberungen von grösster Bedeutung.

Im Projekt Kairos/Vermeer wird Wolfgang Beltracchi das Vermeer’sche Bild Paar mit einem Gemälde in der Handschrift des Meisters Vermeer ergänzen. Es soll den Philosophen Baruch Spinoza zeigen. Die gestellte Szene ist den beiden Vorbildern nachempfunden. Die Rauminstallation soll dem Original möglichst nahe kommen. Das männliche Model soll den Männern in den Vermeer Bildern ebenfalls gleichen. Die ganze Szenerie wird dann durch die oben erwähnte, eigens dafür konstruierte Camera obscura auf die Leinwand projiziert, um zu sehen, wie es aussehen sollte.

Beltracchi malt also sozusagen einen neuen Vermeer mit Signatur Beltracchi.

 

 

Interessanter Text zum Thema (englisch)
http://www.essentialvermeer.com/camera_obscura/co_one.html#.WfYAXhR5C3J

 

 

Die Frage, ob Vermeer die Camera obscura verwendet hat, wie viele seiner Eigenheiten vermuten liessen, scheint trotz jahrelanger, intensiver Forschungen weiterhin nicht geklärt zu sein.

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