Der Tulpen-Crash

Katharina Luther (von Bora)
Lucas Cranach und die Reformation
1. Oktober 2017
Der Astronom, Jan Vermeer, 1669 gemeinfrei, de.wikipedia.org
Camera obscura
29. Oktober 2017
Tulipomanie, 1640, Allegorie der Tulipomanie (aus Privatsammlung) wikipedia

Tulipomanie, 1640, Allegorie der Tulipomanie (aus Privatsammlung) wikipedia

Das Tulpenfieber

Die Tulipomania (1640), ein Gemälde vom flämischen Barock Maler Jan Breughel dem Jüngeren, ist eine Allegorie/Persiflage auf den Tulpenwahn.

Das Gemälde bezieht sich auf das Tulpenfieber in den Niederlanden in den Jahren 1633-1637.

Alle Spekulanten, Händler, Käufer, Betrogenen, Advocaten, etc, sind als Affen dargestellt, denn der Affe galt in der Renaissence als Sinnbild für menschliche Dummheit und Gier.

Breughel der Jüngere, wie auch sein Vater Breughel der Aeltere waren bekannt für ihre Allegorien und sozialkritischen Werke.

Spekulationsanfällige Güter können in kürzester Zeit eine Manie auslösen, die die Leute um Verstand, Kopf und Kragen bringt. Gier führt zu Leichtsinn und dieser wiederum zum kollektiven Wahnsinn, bis die Spekulationsblase platzt und der Spuk vorbei ist.

 

So geschehen im „Goldenen Zeitalter“ der Niederlanden im 17. Jahrhundert.
Da ereignete sich eine der grössten und ersten gut dokumentierten Spekulationskrisen der Wirtschaftsgeschichte: die Tulpen-Manie.

Nachdem die Tulpe, eine damals sehr exotische Blume aus dem Orient, ihren Weg in die Niederlande gefunden hatte, wandelte sie sich in kurzer Zeit vom Liebehaberobjekt zum Statussymbol. Dank dem florierenden Kolonialhandel waren die Niederlande ein vermögender Staat. Man nannte diese Zeit „das goldene Zeitalter“. Der hochlukrative Ostindienhandel und die Seeräuberei waren von den Kaufleuten aus Amsterdam und Haarlem besetzt. Wegen dem wirtschaftlichen Aufschwung besassen viele Menschen Geld, das sie nun in diese aussergewöhnliche Blume zu investieren begannen. Begünstigt hat diesen Trend nicht nur die Spekulation, sondern auch eine wahrscheinlich inflationären Geldpolitik.

Da die Nachfrage das Angebot schon bald überstieg, brach ein unglaubliches Spekulationsfieber aus, das mit der Zeit keine Grenzen mehr kannte. Die Tulpenmanie begann 1633 und ging soweit, dass Menschen Unsummen, ja gar ihre Häuser hergaben, um sich ein Stück Papier zu kaufen, das ihnen bescheinigte, Besitzer von Tulpenzwiebeln zu sein. Leider gab es keine Garantie, dass diese Zwiebeln auch existierten, denn oft machte die Gier die Händler zu Betrügern. Der Manie waren sämtliche sozialen Schichten erlegen. Wenn das Geld nicht reichte, kaufte man halt einfach das Recht auf einen Anteil an einer Tulpenzwiebel, also zum Bsp. 1/8. Es liess sich Geld verdienen, ohne jemals eine Tulpen-Zwiebel gesehen oder gar in der Hand gehabt zu haben, geschwiege denn, dafür arbeiten zu müssen. Wer kein Geld zur Verfügung hatte, belastete halt sein Haus, seine Werkstatt, sein Hab und Gut.

Offenbar kostete im Jahr 1633 1 einzige Zwiebel der berühmten Sorte „Semper Augustus“ ca. 5500 Gulden, im Jahr 1637 bereits das Doppelte, also 11 000 Gulden, was heutzutage etwa 87 000 Euro entspricht. Ein Grachtenhaus in Amsterdam kostete damals ca. 10 000.- Gulden.

Jeder war im Glauben, die Preise würden stetig steigen, sodass er mit seinen Investitionen zu Reichtum komme.
Die Folgen waren so verheerend, dass die Regierung im Februar 1637 dem Treiben ein Ende setzte.
Danach fielen die Preise ins Bodenlose. Der Preis stabilisierte sich erst, als man für 2 bis 3 Zwiebeln nur noch 1 Gulden bekam.

In der Phase der getriebenen Spekulation hatten einige Leute sehr viel Geld verdient, den meisten aber blieb am Ende nur ein Stück Papier, das jeglichen Wert verloren hatte.

Es gibt keine Garantie, dass aus einer Zwiebel eine prächtige Tulpe wird, was sinnbildlich steht für: es gibt keine Garantie, dass sich die Erwartungen erfüllen und man sich mit Spekulation ein Vermögen anschaffen kann.

Ein schöner Nebeneffekt dieses Tulpenfiebers bestand darin, dass die Blumen-Malerei sich entfaltete und eine grosse Blüte erlebte.

 

Trotz diesem Fiasko entwickelte sich Tulpenzucht- und Handel wieder zu einem blühenden Geschäft in den Niederlanden.

Heutzutage beträgt ihr Volumen ca. 80% des Welthandels und umfasst ca. 4000 Sorten.

Ebenfalls im 17. Jahrhundert traten erstmals die geflammten Tulpen auf. Ihre eigenartige, wunderschöne Verfärbung geht auf einen Virusbefall zurück und verhalf ihr zum Namen „Rembrandt Tulpe“, zu Ehren des niederländischen Malers Rembrandt, der selbst auch dem Tulpenwahn erlegen war.

2017 erschien der Film „Tulip Fever „von Justin Cahdwick, basierend auf dem Roman

“Tulip Fever“ von Deborah Moggach, Droemer Knaur 2002

Geschichte: Amsterdam, 1636 – eine Stadt im Tulpenfieber, in der sich ein talentierter Maler in eine verheiratete Frau verliebt. Eine tragische Leidenschaft nimmt ihren Lauf…

 

Schreiben Sie einen Kommentar

//]]>