Lucas Cranach und die Reformation

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Katharina Luther (von Bora)

Katharina Luther (von Bora)

Die Reformation in Deutschland

2017 feiern wir das 500 jährige Jubiläum der Reformation.

Mann des Wortes: Martin Luther als theologischer Vordenker.
Frau des Managements: Katharina Luther als wichtige Stütze im Haus.
Mann der Bilder: Lucas Cranach als Freund und Reformations-Beschleuniger.

1517 kam es in Wittenberg zur Veröffentlichung der 95 Thesen des Mönches Martin Luther, in denen er unter anderem die Käuflichkeit kirchlicher Ämter und insbesondere den geschäftstüchtigen, ausbeuterischen Handel mit den Ablass-Briefen kritisierte, welche den Menschen bei Bezahlung den Zugang ins Himmelreich garantieren sollte.

Was Luther mit seinen Thesen in die Wege leitete und was daraus entstand, ist hinlänglich bekannt:

Luthers Gedankengut sollte eigentlich zu einer Reformierung (Erneuerung) der röm.-kath. Kirche führen, erhielt dann aber Eigendynamik und führte darauf unbeabsichtigt zur Spaltung des westlichen Christentums in die Konfessionen katholisch, lutherisch und reformiert/protestantisch.

Der Mönch und spätere Theologieprofessor Luther war der Begründer eines neuen Bibelverständnisses, das zu heftigen Diskussionen unter seinen Kollegen führte.

Der folgende Link zeigt ein Bild von Martin Luther als Mönch ohne Tonsur, gemalt in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren.
Zeigt es den Reformator tatsächlich symbolisch zwischen zwei wichtigen Lebensabschnitten? :
noch in der Mönchskutte, aber bereits mit zugewachsener Tonsur, um Katharina von Bora zu heiraten?

http://kunstnuernberg.de/bilder-erzaehlen-der-mensch-ohne-tonsur-im-gnm/

Eine Folgeerscheinung der Spaltung der Kirche waren die Bauernaufstände und eine 100 jährige Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten, die 1616 den 30 jährigen Krieg auslöste.

Luther prägte mit seiner Bibelübersetzung auch die deutsche Sprache und förderte das intellektuelle Denken.

Wie Luther als Mönch zu seiner Frau kam:
Unter anderem stellt Luther auch den Sinn klösterlichen Lebens in Frage, denn davon stehe nichts in der Bibel. Im Gegenteil sei dort zu lesen: Seid fruchtbar und mehret euch! Es sei nicht richtig, dass sich Nonne, Mönche und Priester zu Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit verpflichten müssten. Die Gelübde seien ungültig und dürften, ja sollten sogar gebrochen werden.

Viele Mönche und Nonne folgten diesem Aufruf.

Der Reformator Martin Luther half acht Ordensschwestern bei der Flucht. Sie gelangten alle nach Wittenberg. Eine davon war Katharina von Bora, eine Frau aus dem Adel, die schon als Kind ins Kloster kam und später Nonne wurde. Nachdem sie von den Theorien Luthers vernommen hatte, entschloss sie sich 1523 aus dem Kloster zu fliehen.

Luther fühlte sich verantwortlich, die entflohenen Nonnen schnell „unter die Haube“ zu bringen. Bei Katharina gelang das nicht auf Anhieb. Nach 2 gescheiterten Versuchen machte er ihr selbst einen Antrag. Die entflohene Nonne Katharina, die von ihm und ihrer Umgebung als eigensinnig bezeichnet wurde, heiratete 1525 den Kirchenrebell Martin Luther, der sie damit aus dem seiner Ansicht nach sündigen Stand der Ehelosigkeit befreite. Er selbst erfüllte sich damit die „Pflicht“ Nachkommen zu zeugen und wurde Vater von 6 Kindern.

Obwohl erst nur ein Zweckbündnis, wuchs mit den Jahren eine Liebe zwischen den beiden.

Link zeigt Luther mittleren Alters und 8 weitere schöne Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (Reihenfolge unterhalb Photo klicken), dazu interessanter Kurz-Text.

http://www.dw.com/de/warhol-der-renaissance-ausstellung-von-lucas-cranach-dem-älteren/g-38263755

Der Verdienst von Luthers Frau Katharina Luther, geborene Bora, sollte an dieser Stelle auch mal gebührend erwähnt werden.

Katharina wurde Luther zur unentbehrlichen Stütze. Sie kümmerte sich nicht nur um Kinder, Haushalt und Gesinde, sondern eröffnete sogar noch eine Burse, eine Pension, wo die theologischen Studenten und andere Gäste Kost und Logis gegen Bezahlung erhielten. Oft waren dort bis zu 50 Leute an einem Tag zu versorgen.

Katharina führte die Geschäfte selbstständig und so erfolgreich, dass sie bald die Gebäude vergrössern und mehr Ländereien dazukaufen konnte.

Dank der “Lutherin“, die sich als gewiefte Managerin entpuppte und ihm ein Leben mit bester Kost und frei von finanziellen Sorgen ermöglichte, konnte sich Luther dem Vorantreiben seiner reformatorischen Anliegen widmen.

Katharina durfte sich als kluge, gebildete Frau sogar an den gelehrten Tischrunden aktiv beteiligen, wo nebst Studenten auch Kurfürsten und Adelige zugegen waren, um theologische und gesellschaftliche Fragen zu diskutierenden. Das war sehr emanzipiert für die damalige Zeit.

 

Mit der Herberge, dem Landbesitz, großem Viehbestand und einem Professorengehalt gehörten die Luthers zu den wohlhabendsten Familien in Wittenberg. Mit seinen Schriften konnte er zwar kein zusätzliches Einkommen generieren, aber sie verhalfen ihm zu grosser Bekanntheit und später weltweitem Einfluss.

Lucas Cranach der Aeltere, Freund der Familie Luther und Unterstützer der Reformation, gilt als der Reformations- Maler und auch als bedeutendster deutscher Maler der Renaissance. Er wurde zum Schöpfer der protestantischen Kunst.

Er wurde 1505 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich II, genannt „der Weise“, als Hofmaler nach Wittenberg berufen. Bald machte sich Cranach als Künstler und Geschäftsmann einen Namen.

Er gründete eine Malerwerkstatt (mit Gesellen), besass eine Apotheke, einen Weinausschank, war Ratsherr, Bürgermeister und Verleger mit Druckpresse. Cranach war ein wohlhabender Patrizier.

In seiner Druckerei wurden sowohl die Thesen als auch die von Luther übersetzten Bibeltexte des Neuen Testaments gedruckt. Im Malatelier entstand das offizielle Portrait des Reformators.

Cranach der Ältere wie auch sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere malten auch viele Gemälde, die dazu beitrugen, den Analphabeten das neue Bibelverständnis des Reformators zu verdeutlichen.

Cranachs produktives Malatelier und seine Professionalität im Verlag und Druckverfahren erlaubten hohe Effizienz in der Verbreitung des neuen Glaubens. Gekonnt hatte er eine Propaganda am Laufen.

Das Geschäft florierte, weil Cranach es verstand, seine Mitarbeiter effizient und gewinnorientiert einzusetzen. Sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere wurde sein Nachfolger: in der Zeit der beiden entstanden min. 5000 Bilder

Der folgende Link zeigt ein schönes Gemälde von Cranach dem Jüngeren, das verdeutlicht, was Luther ein Anliegen war und nun für alle Evangelisten gelten sollte: Gnade ist für alle da.

 

„Christus und die Ehebrecherin“ , Lucas Cranach d. Jüngere, 1550:
http://altemeister.museum-kassel.de/32187/

Obwohl Luther und seine Mitstreiter die Kirchen und das religiöse Leben überhaupt von überflüssigem Bildschmuck befreien wollten, bedienten sie sich selbst auch der Kraft der Bilder, indem sie die Cranachs für sich „einspannten“ , die den neuen Geist verbildlichten.

Zitat aus http://www.zeit.de/2017/13/lucas-cranach-reformation-maler-martin-luther-protestantismus

„Alle fünf bis sechs Tage vollenden sie ein neues Werk, Gesellen malen aus, was die Meister mit schnellem Pinselstrich vorgezeichnet haben. Für die Cranachschen Bestseller, etwa badende Nymphen oder Porträts der Reformatoren, werden Schablonen gefertigt. Noch heute streiten die Kunsthistoriker bei gewissen Werken, ob sie dem Vater oder dem Sohn zuzuschreiben sind. „

Zitat:

Das meistverkaufte Motiv der Werkstatt ist natürlich: Luther.

Ihr erstes Porträt zum Beispiel, ein Kupferstich von 1520, zeigt einen hageren Augustinermönch, düster und gedankenversunken. Später folgen: Luther mit Doktorhut, Luther mit Bart als Junker Jörg, Luther mit seiner Frau Katharina von Bora, Luther als Prediger und schließlich als friedlich Entschlafener im Leichenhemd.“

 

Man sagt: Ohne die Cranachs hätte sich die Reformation nie so schnell verbreitet.

Luther und Cranach leiteten ein neues abendländisches Bildverständnis ein.

Luther erklärt die Verehrung von Reliquien und Heiligenbildern als Missbrauch. Er führt den aufgeklärten Bildbegriff ein, der zwischen Bild und Abbild unterscheidet.

Im Laufe des Reformationsprozesses kam es zum sogenannten Bildersturm: Darstellungen von Christus, den Heiligen, der Muttergottes und anderer Kirchenschmuck etc. wurden von den Reformgläubigen aus den Kirchen entfernt, verkauft oder gar zerstört.

Luther selbst störte sich nicht an den Bildern. Sein Zorn richtete sich gegen die Vorstellung, dass man sich das Seelenheil kaufen könne, indem man eine Kapelle oder Kirchenschmuck stiftete. Wallfahren, Ausschmücken der Kirchen, Fasten und andere Bräuche seien von Gott nicht gewollt. Einzig der echte Glaube an Christus sei von Bedeutung.

Lucas Cranach d. Aeltere führte eine Art Revolution durch indem er seinen Blick nach Italien richtete, wo die Renaissence bereits in vollem Gange war:

Da herrschte eine neue sinnliche Freiheit, wie sie die alten Griechen und Römer gekannt und dargestellt hatten. Freiheit in Farbe, Komposition und Dimension (Perspektive) und auch Freiheit in der Darstellung des Körpers, besonders des weiblichen in seiner Nackheit.

Cranach d. Aeltere war der erste nördlich der Alpen, der Sinnlichkeit malte:

sinnliche Madonnen, nackte oder nur spärlich verhüllte Damen der Mythologie, der Bibel und der ital. Geschichte, wie Dianas, Grazien, Evas und Lucretias.

Lucas Cranach malte nackte Frauen, wie sie nie zuvor nördlich der Alpen gemalt worden waren.

Link zu „Lucas Cranach d. Ältere“ in Künstler A-Z:
https://sinn-suche.ch/kuenstler/cranach-lucas-der-aelter/

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